
Dieses Buch las ich davor und es war eine Enttäuschung. "Zusammen ist man weniger allein" heißt es und ist von Anna Gavalda und scheint laut Amazon ein richtiger Renner zu sein. Wurde ja auch schon verfilmt. Und der Film soll ganz niedlich sein. Ich fand es einigermaßen furchtbar. Die Dialoge haben mich teilweise richtig verwirrt und nach jedem zweiten Satz (oder häufiger?) gab es eine Absatz. Die 551 Seiten konnte ich dafür also recht schnell durchblätt- ... durchlesen. Aber es hat mich geärgert. Geärgert, weil ich in manchen Abschnitten gar nicht wusste, worum es geht. Geärgert, weil nicht klar war, welche Figur im Dialog gerade spricht. Oder mit wem. Geärgert, weil über viele Seiten hinweg einfach rein gar nichts passiert. Gefreut, weil ich es zu Ende gelesen hatte und mich wieder einem schöneren Buch widmen kann. Keine Ahnung, warum dieser Roman bei Amazon mit 4,5 Sternen bewertet wird. Keine Ahnung, keine Ahnung, keine Ahnung.
Doch nun dieses Schmuckstück hier:

Nichts liegt auf meiner persönlichen Lesegenussskala weiter vom letzten Buch entfernt, als dieses hier: "Der Schatten des Windes" von Carlos Ruiz Zafón. Genau nach so einem Buch hatte ich gesucht: eins, das mich fesselt, das mich mitnimmt, das mich am Abend vom Schlafen abhält, das mich berührt, das mich traurig macht und auch sehr glücklich. Dieses Buch hat es und ich bin froh, dass ich es nach Jahren endlich gelesen habe, nachdem ich oft am Buchladen daran vorbeigegangen war und oft das Cover meinen Blick gefangen hatte. Und nachdem ich es vor Jahren schon einer lieben Freundin geschenkt hatte. Letztes Weihnachten habe ich es mir als Geschenk gewünscht und in den ersten Januarwochen gelesen. Und gerade liegt Lieblingsmensch auf der Couch neben mir und liest dieses Buch. Es kommt nicht oft vor, dass mich die erste Seite eines Buches anrührt. Ich weiß nicht genau, was es auf dieser Seite war, aber ich mochte sogleich die Sprache. Es war, als wäre der Text direkt für mich geschrieben worden, als würde mich jemand direkt ansprechen. Okay, das ist Quatsch, aber ich hatte dieses Gefühl, also warum nicht? Die schöne Sprache setzte sich das ganze Buch hindurch fort und ich konnte mich immer wieder über eine besonders schöne Stelle freuen. Hinzu kam, dass die Geschichte ziemlich spannend ist - aber nicht zu spannend, ich bin da recht empfindlich. Eben genau richtig spannend. Und die Figuren allesamt so liebenswürdig und realistisch in ihren Eigenschaften, ohne aufdringlich zu sein. Ohne, dass man sie wirklich mögen muss - man mag sie einfach. Mit ihren Fehlern, in ihrer ganzen Durchschnittlichkeit. Jetzt möchte ich nur umsomehr nach Barcelona reisen und diese Stadt selbst sehen. So wunderbar dicht wurde die Atmosphäre dort beschrieben. Hach, wenn man in ein Buch verliebt sein kann, so bin ich gerade in dieses Buch verliebt. Absolute Leseempfehlung!

