Sonntag, 30. August 2009

Beginnen

Wenn man einen ersten Schritt macht, weiß man nicht wohin der Weg einen führen wird. Vielleicht gibt es auch keine Weg auf dieser Reise. Vielleicht treibt es einen viel mehr durch ein Dickicht und dann sieht man fremde Bäume und unbekannte Menschen. Und wenn man Glück hat, erkennt man sich in Manchen von Ihnen wieder. Man sollte vorsichtig sein, wenn man den ersten Schritt macht, denn kaum versieht man sich, schon macht man einen zweiten. Und einen dritten. Und am Ende ist man in einem fernen Land, in dem es keine Landkarten mehr gibt und keine Wegweiser. Vielleicht noch ein paar Pfade hier und da, auf denen schon einmal Jemand gegangen ist. Doch auch diese Pfade können schon an der nächsten Biegung verschwinden und da man sonst keinen Weg weiß, läuft man weiter. Nach einer Weile - waren es Tage oder Jahre? - hat man sich an die Fremde gewöhnt. Denn das ist jetzt dein Leben. Vielleicht würde kein Mensch je losgehen, wenn er wüsste, wie fern und fremd es auf diesem Weg werden wird?

Ein Gedicht aus einer anderen Zeit

Dieses Feuer hielt nur kurz. Ich konnte es nicht mit den Händen fassen.
Kaum berührte ich es, schon entglitt es meinen Händen.
Du ließest dich nicht fassen, warst da und doch gleich wieder entglitten.
Kaum konnte ich dich anrühren, für einen Moment
In deine Seele blicken, schon warst du wieder fort.
Ja, du bist in dir selbst gefangen. Du hast dich selbst
Eingeschlossen und nun lässt du Keinen an dich heran.

Nähe auf Raten. Einen Schritt vor und einen zurück.
Hinterlässt dabei Arme, die ins Leere greifen.
Wie gern ich dich gehalten hätte!
Wie gern ich dir diesen Schutzwall genommen hätte,
Doch ich weiß du lässt es niemals zu.

Das Feuer brannte kurz, nun bin ich fast leergebrannt.
Spür kein Verlangen mehr, nur Wehmut.
Wir werden uns nie finden, egal wie nahe wir uns kommen.
Die Mauer zwischen uns ist undurchdringbar stark.
Viele Jahre muss es dich der Bau gekostet haben,
Nun wird sie keiner mehr so leicht einreißen.

Du brennst heiß, doch nur für dich allein.
Aber kein Flamme wird je heiß genug sein, um deine Gier zu stillen.
Ich lass dich ziehen, denn du brennst nicht für mich.
Du suchst nur Feuer für deine kalte Seele, die du weggeschlossen hast.

Gegen den Stolz

Tragflächen des Lebens.
Darauf will ich tanzen.
Gegen die Ungerechtigkeit.
Gegen den Stolz.
Gegen alle Zyniker der Welt.
Legt euch blos nicht mit mir an!
Ihr kriegt mich ja doch nicht
Auf Eure trostlose Seite.

Eines Spätsommer Tages...

Leben.
Mich selbst leben lassen.
Das heißt Atmen. Durchatmen. Freiatmen.
Und ab und an in den Himmel hinein lächeln.

Donnerstag, 20. August 2009

Grenzen ziehen

Du stellst dich an. Ich stell mich stur. Nun bin ich auch mal mit meiner Weisheit am Ende, Gutmenschentum hin oder her. Ich verstehe deinen Schmerz, doch ich möchte ihn nicht mitfühlen. Was uns fehlt ist Distanz und die schaffen wir nun auf eine künstliche doch längst überfällige Weise. Du findest deinen Weg dort hinaus, aber dieses Mal bin ich nicht die Richtige, um dir beizustehen. An dieser Stelle möchte ich gern auf einen besonderen Songtext verweisen:

You wanted to talk to me, but I could not hear the things you say, I would not understand. My mind is blind to the pains of the heart. Theres a wall between you and me in thin air. I look right through you as if you're not even there. A sad situation, an individual affair, a burden in my life and I don't think its fair. You're trying just too hard to get to know me but Im telling you, you're not getting through. Its not your fault and its not even mine, another time it could be fine. Can you picture the future or remember the past. Life is so short we grow so old so fast. You've got the right idea but the wrong approach. I am not your jewel, a pendant or a broach. I am miles away from you today.
(Chamber, "Miles away")


Freitag, 14. August 2009

So ist es hier im Sommer

Interessante Dinge erlebt man hier. Am Dienstag sitze ich mit meiner Lieblingsberlinerin in einem Hostel. Genauer gesagt sitzen wir in der zu einem Hostel gehörenden Kneipe. Und weil es leckeres Essen und viele internationale Gäste gibt, sitzen wir hin und wieder gern da. Zum Essen und zum Reiseluft schnuppern. Prompt kam auch schon ein junger Mann an unseren Tisch um ein bisschen zu Plaudern. Einem netten Gespräch nicht abgeneigt, stoßen wir an und erfahren, dass er aus München kommt, jedoch nicht in jenem Hostel übernachtet, sondern diese Bar durch Zufall beim Spazierengehen entdeckt hat. Und da er in Berlin Niemanden kenn und keine Lust auf sein Hotelzimmer hatte, hat er sich halt zu uns gesellt. Solche Dinge sind mir bisher nur in der Hauptstadt passiert. Nach ein bis zwei Stündchen Reden über Dies und Das verabschiedet er sich und entschwindet wieder in sein eigenes Leben. So ist es hier in Berlin.
Am Mittwoch Abend gab es für mich dann einen riesigen Eisbecher im wohl meistbesuchten Eiscafé am Potsdamer Platz. Anschließend wurde aus dem geplanten Sternschnuppenschauen nur Wolkenschauen. Aber auch schön, so zwischen Kanzleramt und Spree entlang zu schlendern, philosophische Themen anzustoßen und in einen kurzen Regenschauer zu geraten. Auf jeden Fall hab ich später tief und wohlig geschlafen. So ist es hier in Berlin. So ist es hier im Sommer.

Sonntag, 9. August 2009

Lyrisches für den Sommer

Da fliegt, als wir im Felde gehen,

Ein Sommerfaden über Land,

Ein leicht und licht Gespinst der Feen,

Und knüpft von mir zu ihr ein Band.

Ich nehm' ihn für ein günstig Zeichen,

Ein Zeichen, wie die Lieb' es braucht.

O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,

Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!


("Der Sommerfaden" von Ludwig Uhland)



Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


("Es war, als hätt der Himmel" von Joseph von Eichendorff)