Donnerstag, 11. Februar 2010

Ambivalentes Weiß

So viel Schnee. Alles ist wie in Weiß getaucht. Den ganzen Tag hat es ununterbrochen geschneit. Das ist ja auch sehr schön und der Schnee knirscht so herrlich unter den Schritten. Nur möchte ich Übermorgen mit dem Flugzeug zurück nach Berlin fliegen! Heute waren erneut alle Lufthansaflüge dorthin und viele weitere innerdeutsche Flüge gestrichen. Oh weh, hoffentlich hört es doch bald mal auf zu schneien, sonst muss ich den Valentinstag noch hier allein verbringen. Was natürlich völlig ausgeschlossen ist, das ist klar. Ich werde einfach so lange am Flughafen sitzen, bis Jemand Mitleid mit mir hat und mir sein Erste-Klasse-Ticket schenkt. Oder noch besser, ich darf vorn im Cockpit sitzen und mir die tosenden Flocken und den schneeigen Nebel ganz genau ansehen. Und das bei meiner Flugangst! Na gut, ich bin zuversichtlich, dass sich das Chaos bis übermorgen noch etwas beruhigen wird. (Warum gibts keine beheizbare Startbahn? Warum hört dieser Winter dieses Jahr eigentlich gar nicht mehr auf? Und warum ist München nur so weit weg? Panik!)
Bevor ich Samstag dann fliege, muss ich noch den ganzen Wein ausgetrunken haben und den Käse aufgegessen haben. Das wird anstrengend. Ob ich Käse in den Koffer packen kann?

Mittwoch, 10. Februar 2010

Erneute Liebeserklärung an Berlin

So. Nach inzwischen zehn Tagen hab ich allmählich genug von München. Ich meine, die Stadt ist schön und hübsch, aber ich als Berliner des Herzen vermisse meine Wahlheimat! Ich vermisse die Straßenzüge mit den Altbauten, die grauen Hochhäuser, sogar die Hundehaufen. Ich will wieder spontan in eine Kneipe gehen, die mir zuvor nie aufgefallen ist um einen Cocktail zu bestellen. Und wieder Samstag Mittag zum Imbiss um die Ecke gehen. Ich will wieder einen Sitzplatz in der U-Bahn. Ich will wieder mein Karate. Und die tausend Möglichkeiten einer anonymen Stadt. Ja, wahrscheinlich stoße ich hiermit jedem Münchnerliebhaber vor den Kopf, aber München ist wirklich das so oft zitierte Millionendorf, in dem man jede Woche in seiner Lieblingskneipe dieselben Leute trifft. Für mich ist das nichts. Ich will Anonymität. Ich will den Schmutz. Ich brauche das Gefühl von Stadtteilen umgeben zu sein, in die ich nie fahre. Und die Gewissheit, dass sich die Stadt ständig wandelt und alles in Bewegung ist.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Hier unten...

Dritter Tag in der bayrischen Hauptstadt. Langsam lebe ich mich ein. Und ich bemerke die kleinen Unterschiede: Die U-Bahnen sind voller und fahren seltener. Dafür kostet es mehr. Die Menschen sind höflicher und entschuldigen sich häufiger. Die Breze(l)n sind besser. Die Mensa ist auch besser, was aber an mangelnder Gewöhnung liegen kann. Auswärts essen außerhalb von Mensen ist ziemlich teuer. Genauso wie Kaffee trinken. Es scheint sonniger zu sein als im Berliner Norden. Die Tage sind hier auch etwas länger. Der Winterdienst kennt keine Gehwege. Die Menschen sind eher schicker und weniger ausgefallen gekleidet. Ich stelle auch fest, dass ich jeden Abend früher ins Bett gehe. Liegt wohl daran, dass Lieblingsmensch nicht da ist und am mangelnden TV. Aber! Aber! Lieblingsmensch kommt! In wenigen Minuten hebt sein Flugzeug ab und ich laufe voller Vorfreude die Zimmer auf und ab...

Montag, 1. Februar 2010

Die kleinen, alltäglichen Hindernisse.

Es ist der erste Montag in München. Mein Plan heute morgen, war gut durchdacht. Zuerst würde ich mir eine Wochenkarte für die U-Bahn zu kaufen, dann zur TU fahren, um pünktlich kurz vor Neun da zu sein. Leider gab es keine Wochenkarte für mich. Zuerst fand ich nur Fahrscheinautomaten, die keine Wochenkarten verkaufen, dafür dutzende, andere Tickets für den Nahverkehr, die ich nur teilweise verstand. Ich schöpfte neue Hoffnung, als ich einen anderen Typ von Automaten bemerkte. Vor dem sich leider schon eine lange Menschenschlange gebildet hatte. Aber ich war wieder guter Dinge, denn dort gab es mein gesuchtes Ticket. Vor Kälte von einem Fuß auf den anderen wippend, stand ich an. Als ich an der Reihe war und mich souverän durch das Menü geklickt hatte, wurde ich prompt wieder rausgeworfen. Also, meine EC-Karte wurde ausgeworfen und nicht akzeptiert. Ich entschied mich, in leichten Stress zu geraten. Also, wieder raus aus der U-Bahnstation, über die Straße und die andere U-Bahntreppe hinunter. Hier gab's nämlich einen Verkaufskiosk. Der leider geschlossen hatte. Ich entschied mich, in mittleren Stress zu geraten. Gut, dann also doch nur ein normales Ticket. Ich beschloss, es auf der Rückfahrt nochmal zu versuchen. Für ziemlich teure 4,80€ bin ich dann doch noch in Garching angekommen und nur ein bisschen zu spät.
Vor der Rückfahrt das selbe Problem: wieder nur diese Automaten. Ich begriff, dass man für den Ticketautomat eine mit Geld aufgeladene EC-Karte brauchte. Da ich sowas zuvor nie gebraucht hatte, hatte ich die Karte natürlich auch nie zuvor aufgeladen. Vorsorglich hatte ich zwar Bargeld und Kreditkarte eingepackt, die mir jedoch nichts nützten. Gut, dann wieder ein normales Ticket - immerhin bin ich auf der Hinfahrt bereits kontrolliert worden. Am Marienplatz fand ich dann endlich meinen gesuchten Verkaufspunkt (nachdem ich zuerst am falschen war, und der Herr mich wieder zu einem der Automaten schicken wollte). In weiser Voraussicht hab ich gleich noch die Karte für nächste Woche gekauft. Schließlich musste ich eine Viertelstunde dafür anstehen. Doch jetzt ist alles geschafft. Ich war sogar schon Einkaufen, der Kühlschrank ist voll, und morgen kann ich mir sogar ein paar Minuten mehr Zeit fürs Frühstück nehmen.

Sonntag, 31. Januar 2010

Heimat auf Zeit

Heute habe ich Berlin verlassen, um nach München zu fliegen. Für zwei Wochen wird diese Stadt also mein Zuhause sein. Meine Flugangst hab ich weitgehend ignorieren können, juhu! Ich werde tagsüber arbeiten und abends ausruhen. Also lesen. Oder Internetfernsehen. Oder kochen. Vielleicht alles zusammen oder hintereinander. Und vielleicht schon morgen, aber auf jeden Fall am Wochenende durch die Stadt streifen um alles wiederzusehen und Neues zu entdecken. Ich habe eine hübsche, gemütliche Wohnung angemietet, mit allem was man so braucht. Sogar selbstgemachte Marmelade habe ich im Küchenregal gefunden. Und Lieblingsmensch kommt am Mittowch! Das sind also quasi nur noch zwei Tage. Das wird toll! Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, seit ich das letzte Mal hier war. München wird nie wirklich meine Stadt werden, dafür bin ich zu sehr verliebt in Berlin. Verliebt in Berlin. Und verliebt in Berlin. Aber es ist ein interessante Reise. Mal sehen, was mich morgen an der Uni erwartet. Bin ein bisschen nervös, aber die Leute werden mich schon nicht beißen.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Meine abendlichen Freunde

Ich sitze auf Arbeit und versuche Zeit tot zu schlagen. Denn ich muss warten. Auf ein Experiment. Dabei wollte ich heute mal einigermaßen pünktlich nach Hause. Den Bakterien ist's egal, dass es draußen dunkel ist, ich müde bin und hungrig. Die interessiert nur essen, vermehren, essen, vermehren... Mich kennen sie gar nicht. Sie wissen nicht, dass ich existiere. Aber ich kenne sie. Zumindest versuche ich sie kennenzulernen. Da sie darauf jedoch überhaupt keinen Wert legen und ihnen die Weiterentwicklungen in der Forschung sowie meine Doktorarbeit völlig egal sind, benehmen sie sich entsprechend mitteilsam. Sie sprechen nämlich gar nicht. Sie teilen sich. Sonst nichts. Na gut, sie können schwimmen. Aber nur ziellos umher schwimmen. Und manchmal nicht einmal das. Aber ich mag sie. Warum, weiß ich nicht. Aber sie sind meine. Meine kleinen Labortierchen.

Montag, 18. Januar 2010

Kurzanleitung für's Leben

Lass dein Leben dich in die Hand nehmen. Denke nicht an zukünftige Tage. Plane nicht deine Zukunft. Atme jetzt. Spür den Boden unter deinen Füßen. Laufe darauf. Leg dich ins Gras und atme den Duft der warmen Erde. Vergiss vergangene Fehler. Zähle nicht Tage oder Jahre. Warte nicht auf ein Ereignis, das zufällig eintrifft. Beginne mit Allem stets jetzt. Sei ohne Ängste. Sei ohne Gewissensbisse. Gehe vorwärts. Sieh dir die Welt an. Werfe alles ab, was du nicht brauchst. Trage keine Dinge bei dir, die du auch in deinem Herzen tragen könntest. Sei wachsam. Teile nicht die Zeit ein in genutzte und ungenutzte Stunden. Lies keine Ratgeberliteratur. Widme dich jeden Tag Tätigkeiten, die dich ausfüllen. Vertrau deinem Bauchgefühl. Kümmer dich um deine Kreativität. Umgib dich mit den Menschen, die du liebst. Sind sie entfernt, rufe sie an oder schreibe ihnen.